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Bosseborn (WB). Es gestaltet sich noch viel schwieriger als die berühmte “Suche nach der Nadel im
Heuhaufen”. Denn fast wäre eine Ahnenforschung, die ihresgleichen sucht an einer Namensverwechslung gescheitert. Denn was der ehemalige Bosseborner und nach Amerika ausgewanderte Henricus
Laurentius Potthast in altdeutscher Schrift 1851 in sein Familienstammbuch geschrieben hatte, wurde jahrzehntelang als “Roseborn” gelesen - und eben nicht als “Bosseborn”. Den
großen Traum seines Lebens hat der heute 64jährige Hochschullehrer Ferdinand Potthast (USA) wahr werden lassen - er konnte nach fast 30 Jahren Detektivarbeit endlich den Geburtsort seines Urgroßvaters
besuchen.
Heimatfreund Peter Schiller aus Bosseborn, der die Geschichte seines Wohnortes wie kaum ein anderer kennt und 1986 auch die Schriftleitung für ein bemerkenswertes Buch über “Bosseborn - Gesammelte Beiträge zur Geschichte des Dorfes” übernommen hatte, kann sich an den freudestrahlenden Blick des Amerikaners mit deutscher
Herkunft noch gut erinnern. “Er hat damit seine Wurzeln wiedergefunden, sagt er mit voller Stolz. Denn Jahre lang blieb der eigentliche Geburtsort seines Vorfahren ja im Dunkeln.” Ferdinand
Potthast, der natürlich nicht ohne seine Ehefrau Joan die lange Reise “über den großen Teich hinweg” angetreten hatte, sprach deshalb von einem “historical blackout” (einer
Erinnerungslücke der Vergangenheit).
Unterstützung erhielt der Wissenschaftler aus dem Bundesstaat Missouri auch vom katholischen Pfarramt Höxters. “Per Post erhielt er die Taufunterlagen
seines Urgroßvaters, die immer noch vorhanden sind”. Und langsam setzte sich ein Mosaikstein zum anderen - und das Bild der abenteuerlichen Reise in ein damals noch ungewisse Zukunft in Amerika
nahm endlich Konturen an.
Es war demnach im Jahr 1849 als der Vollwaise Henricus Laurentius Potthast (sein Vater war Friderico Potthast aus Godelheim und seine Mutter hieß Agnes, sie lebten im
Haus Nummer 22 - direkt neben der Kirche) gemeinsam mit seinem ledigen Onkel Christopherus Potthast mit dem Schiff “Manifest” von Bremen aus nach Amerika auswanderte, um sein große Glück zu suchen. Wer nun die eigentliche Idee hatte, alle Seile zur alten Heimat zu kappen und in der neuen Welt eine eigene Existenz aufzubauen, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Bereits zwei Jahre nach der großen Seefahrt heiratete der 34jährige H. L. Potthast in der St. Pauls Catholic Church in Highland (Bundesstaat Illinois) seine ebenfalls aus Deutschland stammende Frau Pauline Schrader. Trauzeuge war laut Originalpapieren der Onkel Christopherus Potthast.
Die Nachfahren des jungen Auswanderers Potthast sind heute angesehene Familien, die inzwischen eine besondere Beziehung zu Deutschland aufgebaut haben.
Denn im Laufe der Jahre
recherchierten sie sowohl in Holland, Polen und anderen Ländern nach ihrer alten Familie aus “Bosseborn”. bis sie in Deutschland “landeten” und nur durch einen Zufall davon
erfuhren, dass der Name Potthast eigentlich urwestfälisch ei - wie das Gericht “Pfefferpotthast”, ein deftiger Eintopf mit Fleisch.
In Amerika können bald nicht nur die Potthast mehr
über die inzwischen berühmte Ortschaft Bosseborn lesen. Das Heimatbuch aus den 80er-Jahren wird inzwischen in die englische Sprache übersetzt. “Und über die Ländergrenzen hinweg sind schon
Freundschaften entstanden”, freut sich Schiller.
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